2500 Zuschauer und ein Demel-Doppelpack
von Michael Horling - "So seh´n Sieger aus" sangen diesmal die Fans des FC 05 zurecht und nicht voreilig wie in Hof, als das Team noch den späten Ausgleich kassierte. Nach dem 3:1 gegen den TSV Großbardorf sind die Schnüdel mit ihren vier Punkten aus zwei Partien nahezu optimal gestartet. Ein klein wenig sowas wie Fußball-Euphorie machte sich am Mittwochabend im flutlichtgetränkten Willy-Sachs-Stadion breit, während die Grabfelder haderten, weil sie an die recht schwachen Auswärtsleistungen der Hinserie letzter Saison anknüpften und mit einem von sechs Zählern zum Auftakt nicht sonderlich gut dastehen.
"60 bis 70 Prozent" seien es, die seine Mannschaft an Leistungsvermögen abrief, schätzte Klaus Scheer und bezog das rein auf die erste Halbzeit. "Da haben wir das gezeigt, was ich sehen will", so der neue FC-Trainer. Nämlich ein schnelles Spiel, viele Kombinationen und Diagonalbälle, letztlich ein erzwungenes 1:0 nach etwas mehr als einer halben Stunde, das in der Luft lag. Maximilian Zang, probehalber in der Vorbereitung auch in Schweinfurt im Gespräch, fuhr Michael Kraus in die Beine. Es gab Strafstoß, wie schon in Hof, wo Sebastian Kneißl noch versemmelte.
""Ich habe mich dort schon gefragt, wieso nicht Benjamin Demel den Mut hatte. Wer sicher ist, der soll schießen", gab Scheer auf den Weg und sah seinen Kapitän, den "Kaiser", ziemlich cool und mit Anlaufverzögerung treffen. Hinterher diskutierte Demel, tadellos als Innenverteidiger und in seinen rund eineinhalb Jahren beim FC 05 an sich ohne schwachen Auftritt, lange Zeit mit Großbardorfs Keeper Klaus Freisinger. "Ich hab gesagt, das ist meiner, hab mich aber trotzdem erstmal umgekuckt. Es gibt ja immer welche, die sich vordrängen wollen...", spaßte Demel, der weitere Nervenstarke im Team zu wissen glaubt, "weil es ja sein kann, dass ich mich mal verletze".
Besser nicht, denn Demel scheint der ideale Nachfolger zu sein von Visar Rushiti als Meister des ruhenden Balles. In der 52. Minute schnappte er sich das Leder schon wieder und zirkelte den Freistoß unhaltbar für Freisinger in den Winkel. "Im Training hab ich zwei reingemacht", begründete der Kapitän, warum auch da die Wahl auf ihn fiel. Ein Doppelpack des Kaisers genießt ohnehin seltenheitswert. Die letzte „Kiste“ machte er noch im Bayreuther Dress ausgerechnet im Spiel gegen den FC 05...
"Das war ein tolles Freistoßtor. Doch danach hätten wir den Ball laufen lassen müssen. Der Gegner war doch bis dahin gar nicht präsent", sah Scheer einen "unerklärlichen Hänger nach dem 2:0. Wir haben den Gegner stark gemacht, auf ein Mal war meine Mannschaft unsicher". "Wir haben wirklich nicht viel zugelassen", ergänzte Demel, "aber dann passiert der Fehlpass in der Vorwärtsbewegung". Sebastian Kress verlor das Leder, Christian Laus lief nach einer Stunde halblinks auf den Kasten zu, passte zu Pascal Stahl, der seine Einwechslung zur Pause mit dem Anschlusstor rechtfertigte. "Solche Fehler darf man nicht machen", weiß der Coach, "denn danach war alles weg, was bis dahin gut war. Wenn der Gegner das 2:2 macht, dann kommen wir nicht mehr wieder".
Zangs Schuss aus dem Hintergrund, als Keeper Andi Bäuerlein das Leder über die Latte lenkte, war eine Viertelsrunde vor dem Ende Großbardorfs beste Gelegenheit von einigen in dieser Phase. Danach aber lag der Ausgleich für die Gallier nicht mehr in der Luft. Nach Florian Galuschkas Alleingang parierte zunächst noch Freisinger, der frisch gebrachte Papi Henriques staubte jedoch zur Entscheidung ab. "Wir sind zurückgekommen und haben gefightet. Aber man hat gesehen, dass wir erst am Anfang sind. Ich bin zufrieden, aber nicht mit den gesamten 90 Minuten", erwies Klaus Scheer sich als angenehm realistischer Einschätzer der Situation.
Und sein Gegenüber spielte den überaus fairen Verlierer. "Die erste Halbzeit war uferlos schlecht von uns. Wir haben ja gerade ein Mal aufs Tor geschossen", meinte Wolfgang Schmitt damit André Rieß und seinen Versuch gleich nach drei Minuten. Der Offensivmann musste dennoch als einziger zur Pause raus. "Weil er unglücklich gespielt hat und die Bälle besser hätte behaupten müssen", begründete das der Coach. "An sich hätte ich sechs, sieben, acht Mann auswechseln müssen. Aber das geht ja nicht. Ich muss meiner Mannschaft aber anerkennen, dass sie es nochmals probiert hat nach dem 0:2 und dass sie gezeigt hat, dass wir Fußball spielen können. Wobei das Anschlusstor sehr glücklich fiel, für mich war es klar ein Abseits. Wir haben zurecht verloren", so Schmitt.
Ein bisschen stehen die Gallier somit schon unter Druck, wenn am Samstag der Würzburger FV im Grabfeld auftaucht. Der Aufsteiger gewann seine erste Partie gegen Hof und steht wie alle vier Neulinge unter den Top-Sieben der Fußball-Bayernliga. Der FC Schweinfurt 05 muss am Samstag zum ersten von zwei Auswärtsspielen in Serie. Zum FC Ismaning, der bereits acht Mal getroffen hat in dieser Saison, der dem 3:3 in Großbardorf ein 5:5 gegen Bayreuth, Klaus Scheers alten Verein und der Gegner der Schnüdel sieben Tage später, folgen ließ. Es werden die nächsten Bewährungsprobe für das Team, ehe der WFV zu einem weiteren Flutlichtspiel kommt.
Fußball-Bayernliga: 1. FC Schweinfurt 05 - TSV Großbardorf: 3:1 (2:0)
Schweinfurt: Andreas Bäuerlein - Sebastian Kress, Benjamin Demel, Erkan Esen, Daniel Mache (ab 70. Timo Pitter), Florian Hetzel, Michael Kraus, Eray Cadiroglu, Sebastian Kneißl (ab 76. Papi Henriques), Florian Galuschka, Pascal Kamolz (ab 82. Mihai Damaschin)..
Großbardorf: Klaus Freisinger - Mirza Mekic (ab 70. Marcel Hirn), Johannes Volkmar, Fabian Kurth, Markus Lurz, Oliver Kröner, Christian Laus, Stefan Piecha, Maximilian Zang (ab 86. Manuel Leicht), Waios Dinudis, André Rieß (ab 46. Pascal Stahl).
Tore: 1:0, 2:0 Benjamin Demel (31., Foulelfmeter / 52.), 2:1 Pascal Stahl (60.), 3:1 Papi Henriques (85.).
Schiedsrichter: Christian Leicher (SV Neuhausen).
Zuschauer: 2486.
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